Kritik von www.hoerspaa.de
Torres – Kampf um die Burgen
 
Produktion
Das Hörspiel erschien Mitte September 2001
© 2000 Ravensburger Musik + Video
52’12
Regie und Redaktion: Sven Stricker
Buch: Peter Mennigen
Ton: Jan-Peter Pflug
Assistenz: Stephan Harms
Musik: Miguel Iven

Inhalt
Spanien, anno 1060. Kastilien wird von einem furchtbaren Wirbelsturm verwüstet. In seiner Not ruft König Rudolpho seine drei Kinder Hernandez, Adolfo und Sancha zu sich. Da die Burgen der einzige Schutz des Landes sind, müssen die Ruinen so schnell wie möglich wieder aufgebaut werden. Und derjenige der drei Thronfolger, der am schnellsten und besten arbeitet, soll nach des Königs Tod das Land übernehmen dürfen. Hernandez scheint das Rennen zu machen – bis sein Leben bedroht wird. Sollte der Verräter in der eigenen Familie zu suchen sein?
[Ravensburger]

Kommentar

Das Brettspiel “Torres ” wurde vor Kurzem zum Spiel des Jahres 2000 erkoren. Um dieser Auszeichnung gerecht zu werden, produzierte Ravensburger Musik + Video kurzerhand ein Hörspiel dazu. Der Spieler bzw. Hörer findet sich bei “Torres” im Kastilien des frühen 11. Jh.s wieder und nimmt aktiv bzw. passiv am Wettstreit teil, als Erster eine Burg zu erbauen.
Diese Aufgabenstellung wird dem Hörer zum Auftakt des Stückes als grundlegende Erklärung gegeben; allerdings ist dieser einführende Dialog ein wenig trocken und angestaubt. Doch dies ändert sich stante pede und man begleitet im weiteren Verlauf die Hauptfigur Hernandez und dessen ebenso treuen wie tolpatschigen Begleiter Fernando auf ihrem steinigen und gefahrvollen Weg zum Burgherrn, der gepflastert ist mit allerlei Hindernissen, Intrigen und Ränkespielen.
Die Umsetzung dieser Geschichte ist dem Produktionsteam bestens gelungen; die Gitarrenmusik weist deutlich den Weg nach Spanien, wie ebenso deutlich die altmodische und hoch gestochene, doch leicht verständliche Ausdrucksweise die zeitliche Einordnung liefert. Die Handlung wird liebevoll aufgebaut, bekommt immer wieder spannende und abwechslungsreiche Situationen verpasst und endet in einem dramatischen und für manchen Hörer überraschenden Finale.
Durch die liebevoll eingebauten Effekte wird die Fantasie des Hörers angeregt und eindrucksvoll das Bild vor dem geistigen Auge unterstrichen; wie selbstverständlich werden durch Hall, Echo und andere akustische Veränderungen auf spielerische Weise räumlicher Klang und topografische Eigenheiten zum Ausdruck gebracht.
Eine Glanzleistung legt Robert Missler an den Tag, der in der Rolle des begnadeten Tolpatschs Fernando für die lustigen Momente sorgt; und die kommen wirklich nicht zu kurz. Besonders erwähnenswert ist dabei die Idee, eine actiongeladene Szene in der Manier eines Sportmoderators während einer Liveübertragung kommentieren zu lassen. Doch Missler ist nicht der Einzige, der zum Gelingen des Stücks beiträgt. Marc Seidenberg, den der eine oder die andere noch als Aki Kolumbus aus der Serie “Kolumbus & Sohn” (maritim bzw. Kolibri) oder als Ben in “Die verwegenen 4” (EUROPA) kennen mag, gibt eine souveräne Hauptfigur und einen sachlich-neutralen Erzähler ab. Eberhard Haar, Thomas Wenke, Claudia Schermutzki und Renate Pichler sind aus zahlreichen Hörspielproduktionen bekannt, gehen in ihren Rollen auf und hauchen dem Stück Leben ein.

“Torres – Kampf um die Burgen” ist ein Hörspiel, das sich im positiven Sinne von vielen Hörspielserien abhebt, es fesselt, bietet Spannung und gute Unterhaltung, ohne den Hörer jedoch aufzuregen. Das Stück ist nicht bloß ein Abenteuer zum gleichnamigen Brettspiel, es ist ein Fantasy-Märchen für Hörer ab 8 Jahren und bietet darüber hinaus neben dramatischen sowohl spannende wie witzige Momente.

Wenn es einen Preis “Hörspiel des Jahres” gäbe, “Torres” wäre ein heißer Kandidat.

Sprecher
Hernandez – Marc Seidenberg
Fernando – Robert Missler
König – Eberhard Haar
Alfonso – Thomas Wenke
Sancha – Claudia Schermutzki
Hexe – Renate Pichler


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/hoerspass/hoerspiel/einzelne/torres.shtml Letzte Änderung: 04.10.2000
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