Wie gehen Sie mit Ihrem Ruhm um, Mr. Allen?
"Der Ruhm hat seine guten und schlechten Seiten. Die schlechte: Man hat
kein Privatleben mehr. Das ist zwar nicht angenehm, aber auch nicht so
schlimm wie Krebs. Das wäre ein wirkliches Unglück. Die gute Seite: Wenn
ich sonntags krank im Bett liege, kann ich meinen Arzt anrufen, und er
kommt sofort vorbei", sagt Woody Allen. War er früher oft hektisch und
nervös, wirkt er auf seine alten Tage richtig lässig und entspannt.
Hätte Monica Lewinsky nicht gut in Ihren Film gepaßt?
"Sie wäre absolut perfekt gewesen. Zur Zeit ist sie das bekannteste
Gesicht in Amerika - und warum? Wegen eines kleinen sexuellen Abenteuers,
wie es in jedem Büro zwischen Kollegen vorkommt. Nur daß es sich in
ihrem Fall um den amerikanischen Präsidenten handelte."
Seit über drei Jahrzehnten sind Sie im Filmbusineß. Haben Sie noch
Träume?
"Ja, ich träume davon, endlich einmal einen wirklich großartigen Film
zu machen."
Wie bitte? Sie wollen sagen, Sie haben noch nie einen guten Film
gemacht?
"Gut ja, aber nicht großartig. Welchen? Nennen Sie mir einen. Ich sage
das nicht aus falscher Bescheidenheit. Zu den zehn besten Filmen dieses
Jahrhunderts zählen meine nicht."
Der Held in Ihrem Film hat Angst vorm Älterwerden - Sie auch?
"Fürchterliche Angst. Ich bin jetzt 63. Ich habe Angst, krank zu werden,
nicht mehr sehen oder hören zu können, keinen Sex mehr zu haben..."
Ob Mia Farrow oder Diane Keaton, Ihre Ex-Frauen spielten immer in
ihren Filmen mit. Will Ihre Frau Soon-Yi auch Schauspielerin werden?
"Niemals. Sie hat kein Talent und will auch keine Schauspielerin werden.
Sie arbeitet als Lehrerin an einer Schule für Kinder mit Lernschwierigkeiten."
Ist es vielleicht gar nicht so schlecht, daß Ihre Frau nicht im
Showgeschäft ist?
"Das ist überhaupt das Geheimnis unserer Ehe. Weil wir so gegensätzlich
sind, funktioniert es perfekt."
Sie ist also Ihre Traumfrau?
"Ganz klar. Aber hätten Sie mir das vor ein paar Jahren gesagt, ich
hätte Sie ausgelacht. Ich stehe eigentlich nicht auf Asiatinnen, und
alle Frauen, mit denen ich zusammen war, waren höchstens zwei Jahre
jünger als ich... Bis ich Soon-Yi traf. Es war wie ein Blitzschlag.
Sie sehen, selbst mich kann das Leben noch überraschen."
Es fragte: Christine Mortag c 2002 Bild