Einleitung
oder: Denn sie wissen nicht, was sie tun

Um von vornherein irgendwelche Mißverständnisse auszuschließen: Mich trieb nicht das Verlangen nach einem Nervenzusammenbruch in die Arme der Architekten und Handwerker, dieser Erzeuger vielfältigster Überraschungen. Auch brauchte ich keinen Bauleiter, weil ich mir nichts Unterhaltsameres vorstellen konnte, als mit dauernden Ärgernissen und Streitereien ein wenig Abwechslung in mein bis dato so beschauliches Leben zu bringen.
Die Nerven zerrüttet, finanziell gebeutelt, mit Herzinfarkt im Frühstadium, schwören jährlich Zigtausende Bauherren: "NIE WIEDER!" Eigentlich erstaunlich, wie viele Neubauten trotzdem noch entstehen. Einzig einleuchtender Grund hierfür erscheint mir, daß Menschen herausfinden möchten, wie stark sie psychisch belastbar sind. Bauen ist eine Art Zwangshandlung, die offensichtlich jeden irgendwann einmal befällt.
Auch mich ereilte der Baubazillus. Jahrelang wohnte ich zur Miete. Anfangs störte mich dieser Zustand nicht besonders. Im Gegenteil. Oft genug witzelte ich über jene armen Zeitgenossen, die Nerven und Ersparnisse opferten, bloß um einen würfelartigen Steinhaufen ihr eigen nennen zu dürfen. Nachdem sich mir aber die Möglichkeit bot, ein schnuckeliges Häuschen aus der Epoche der frühen 60er Jahre relativ preiswert zu erwerben, schlug ich mich klammheimlich ins gegnerische Lager. Wann immer ich danach eine dieser bedauernswerten Kreaturen sah, die ihr sauer verdientes Geld skrupellosen Vermietern in den Rachen warfen, floß mein Herz vor Mitleid über.
Mein Haus steht in einer ruhigen Seitenstraße, genau im Stadtkern. Es ist ca. 25 Jahre alt und ein wenig unscheinbar. Der einzige Mensch, der an dem Gebäude etwas Bemerkenswertes fand, war zweifellos meine Wenigkeit (und das auch nur, weil ich zufällig hier aufwuchs). So sehr sich das Häuschen auch abmühte, das Auge des Betrachters zu erfreuen, es mißlang ihm mehr oder weniger kläglich. Das sollte sich nach Hinzuziehen eines kompetenten Architekten von Grund auf ändern. Ich träumte davon, diesem Bauwerk ein paar neue Perspektiven nach meinen Plänen zu verleihen.
Damals ahnte ich nicht, daß nicht nur das Haus selbst einige drastische Veränderungen erfahren sollte. So wurden zum Beispiel meine Nerven binnen kürzester Zeit zu Trampolinen umfunktioniert, auf denen sich Handwerker, Bauleitung und Architekt nach Herzenslust austobten. Die Erfahrung, die ich dabei sammelte, brachte mich nicht nur an den Rand des Wahnsinns, sondern auch in die Lage, dieses Buch schreiben zu können: der ach so dringend benötigte und von Millionen ersehnte Trost für Bauherren, die im täglichen Kleinkrieg mit den Tücken der Architekten und Handwerker unterzugehen drohen. Wer jemand kennt, der demnächst baut, sollte ihm dieses ergötzliche Buch auf den Geburtstags-Gabentisch legen. Der Beschenkte wird hoffentlich Tränen darüber lachen. Das ist ein gutes Training für die Tränendrüsen. Spätestens nach Beginn der Bauarbeite
n werden sie auf Hochtouren arbeiten.

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